Bund deutscher Kunsterzieher NRW

34. Kunsterziehertagung in Ingelheim 2015, "Kunst / Politik. Perspektivierungen eines komplexen Verhältnisses", 11.–13. Mai 2015, Ingelheim

Kunst als Mittel der Abgrenzung oder Angleichung, Kunst als Medium der Affirmation oder Kritik, Kunst als Ausweis von Distinktion oder Popularisierung – die Vorzeichen sind immer vielfältig, unter denen das Zusammenwirken von Kunst und Politik steht. Der Grund dafür ist, dass beide Größen beständigem Wandel unterworfen und in unterschiedliche geschichtliche Zusammenhänge eingespannt sind.

Kunst und Politik sind in ihrer Entwicklung aber auch verbunden zu denken: Die Ausbildung eines eigenständigen Phänomens "Kunst" in der Frühen Neuzeit wurde durch die Anstrengungen befördert, die gesellschaftliche Eliten zur eigenen Legitimierung und Profilierung unternahmen; in der Moderne war es die Ausdifferenzierung der Gesellschaft, welche die Kunst in die Autonomie entließ. Um grundsätzliche Einblicke in das facettenreiche Wechselverhältnis von Kunst und Politik zu gewinnen – Einblicke, die eine Thematisierung von Kunst im Unterricht bereichern – sollen in diesem Seminar unter anderem folgende historisch konkrete Fragen gestellt werden: Wie positionierten sich Auftraggeber und Künstler im Wettstreit um politische und kulturelle Hegemonie? Wie nah oder fern zur politischen Macht operierten Kunst und Künstler, und wie wurde das Verhältnis ausgestaltet? Wie fanden Kunst, Künstler und Publikum zueinander? Auf welche Weise wurden die Wirkabsichten der Kunst auf ihre Betrachter abgestimmt und wer waren die intendierten Betrachter? Antworten auf diese Fragen suchen die eingeladenen Kunsthistoriker in Präsentationen mit Überblickscharakter und in Fallstudien. Dabei wird es schwerpunktmäßig um die Kunst des 15. bis 20. Jahrhunderts gehen; ein Beitrag wird sich allerdings auch dem Bild vor dem Zeitalter der Kunst, das heißt dem politischen Bild im Mittelalter, widmen.

Eine Veranstaltung des BDK-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, der Fridtjof-Nansen-Akademie für Politische Bildung und dem Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.

Programm
Montag, 11. Mai 2015,
15.00-15.15 Uhr
Begrüßung und Einleitung in das Thema

Politik und Kunst in der Frühen Neuzeit
15.20 – 17.00 Uhr
PD Dr. Christine Tauber, München
Mit Kunst Politik machen: Kunstpatronage und Herrschaftspraxis in Fontainebleau und Mantua
17.15-18.45 Uhr
PD Dr. Christina Strunck, Marburg
Kunst und Politik in den Residenzen der Medici (15.-17.Jh.)

Dienstag, 12. Mai 2015,
9.00-11.00 Uhr
Prof. Dr. Eckhard Leuschner, Würzburg
"Con le attioni attorno": politische und kulturelle Implikationen gestochener Papstporträts im Bildrahmen (16. und 17. Jahrhundert)

Bild und Politik im Mittelalter
11.15-13.15 Uhr
Dr. Markus Späth, Gießen
Die Kunst des Ausgleichs: Siegel als Medien politischer Konsensbildung im europäischen Mittelalter

Politik und Kunst seit der Moderne
14.15-16.15 Uhr
Prof. Dr. Martin Papenbrock, Karlsruhe
Vom Protest zur Intervention. Politische Kunst nach 1968

Mittwoch, 13. Mai 2015,
9.15-11.15 Uhr
Prof. Dr. Alexis Joachimides, Kassel
Die Politik des Marktes: Künstler und ihre Auftraggeber auf dem Weg in die Moderne
11.30-12.45 Uhr
Plenum und Schlussaussprache

Seminarkonzept und Seminarleitung:
Prof. Dr. Claudia Hattendorff

Anmeldung bitte nur direkt bei der
Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung,
Telefax: 06132-79 00 322,
e-mail: fna@wbz-ingelheim.de


In der Kunst macht man keine dummen Scherze.

Martin Kippenberger