Bund deutscher Kunsterzieher NRW

Decolonizing Art History. Zur postkolonialen Revision europäischer Kunst: 18. - 20. Mai 2020, Ingelheim, Fridtjof-Nansen-Haus (40. Ingelheimer Tagung)

in Zusammenarbeit mit dem BDK Fachverband für Kunstpädagogik Rheinland-Pfalz und der
Arbeitsgemeinschaft Kunstgeschichte in der Kunstpädagogik im BDK Fachverband für Kunstpädagogik e.V.

Vor dem Hintergrund anhaltender Migrationsbewegungen, perpetuierter und neuer Formen des Kolonialismus, erstarkender Integrismen und Identitarismen sowie einer zunehmenden Bedeutungsverschiebung des Rassismusbegriffs wandelt sich auch die Erforschung der (Vor)Geschichte globaler Verflechtungen, kolonialer und binnenkolonialer Machtverhältnisse und der damit einhergehenden Konstruktionen des Eigenen und des Fremden. Postkolonialen Forschungen folgend gilt es zu prüfen, inwiefern diese Prozesse auch und möglicherweise besonders die bildenden Künste und ihre Historiographie betreffen. Zugleich ist zu fragen, wie sich Ansätze der Post Colonial Studies zu den historischen Begriffen der Konstitution von Macht und Herrschaft insgesamt und den zu deren Analyse in anderen Diskurszusammenhängen entwickelten Modellen und Ideologemen (z.B. Humanismus, Zivilisationsprozeß, Sozialdisziplinierung, Urbanisierung, Kapitalismus, Imperialismus, Modernisierung, Gender, Antisemitismus, Binnenkolonialisierung, Globalisierung) verhalten.
Die Tagung „Decolonizing Art History. Zur postkolonialen Revision europäischer Kunst“ nimmt die hochaktuellen identitäts- und kulturpolitischen Debatten etwa über einen neuen Umgang mit dem kolonialen „Erbe“ zum Anlaß, um deren Folgen für den Blick auf die europäische Kunst und deren Geschichte auszuloten. An ausgesuchten Werken fragt die Tagung hierzu im Sinne einer postkolonial perspektivierten Revision nach im- oder expliziten Kolonialismen. Im Zentrum steht dabei die Frage, auf welche Weisen und in welchem Umfang Werke der europäischen Kunst und die Kunstgeschichte selbst mit Kolonialismus und affinen Denk- und Handlungsmustern in Zusammenhang zu bringen sind und welche Bedeutung dies für Herrschafts- und Hegemoniebegründungen in historischen und aktuellen Feldern der Politik, den Künsten und Kunstdiskursen hat.
Es gilt zu fragen, auf welche Weise Artefakte an Konstruktion und Distribution kolonialer Kategorien wie dem „Anderen“ und „Fremden“ sowie an herrschaftslegitimierenden Diskursen Anteil haben und damit schließlich auch daran partizipieren, was als „Eigenes“ und „Vertrautes“, Herrschendes und Beherrschtes erscheint und wirksam wird. Inwiefern verhalten sich koloniale Stereotype spiegelbildlich zu herrschaftssichernden Fremd- und Selbstbeschreibungen? Mit welchen visuellen Strategien wird hier bewußt oder unbewußt argumentiert und gearbeitet? Von welcher Kolonialgeschichte oder welche Kolonialgeschichten erzählen die einzelnen Werke? Und inwiefern kann oder muß Kunst generell als eine Praxis verstanden werden, die im Zu-Sehen-Geben Differenzen zwischen Eigenem und Anderem voraussetzt, perpetuiert und schafft?

Moderation und Leitung: Kristin Marek, Hannover und Ulrich Heinen, Wuppertal

Programm

Montag, 18. Mai 2020

15.00               Joachim Kießling, Vorsitzender des BDK e.V. Fachverband für  Kunstpädagogik
                        Landesverband Rheinland-Pfalz
                        Dr. Florian Pfeil, Direktor des Weiterbildungszentrums Ingelheim
                       
Begrüßung

15.15
               Bernhard Bremm, Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz
                        Prof. Dr. Sara Burkhardt, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Bundesvorsitzende
                        des BDK e.V. Fachverband für Kunstpädagogik
                        Politische Bildungsaufgaben des Kunstunterrichts

15.45               Prof. em. Peter Schubert, Technische Universität Dortmund
                        Prof. em. Dr. Dietrich Grünewald, Universität Koblenz-Landau
                        Clemens Höxter, Referent für Kulturelle Bildung im Bundesvorstand des BDK e.V.
                        Fachverband für Kunstpädagogik
                        Von der Friedensbewegung zur Dekolonialisierung.
                        40 Jahre politische Aktualität der Ingelheimer Tagungen zu Bild und Politik

16.45
               Pause

17.00 – 18.00  Prof. Dr. Kristin Marek, Hochschule für Bildende Künste Dresden
                        Prof. Dr. Ulrich Heinen, Bergische Universität Wuppertal
                        Postkoloniale Revision europäischer Kunst. Einleitung zum Thema

18.30
               Abendessen

Dienstag, 19. Mai 2020

9.00                 Dr. Raphaèle Preisinger, Universität Bern
                        Kunstwerke als Verhandlungsräume der Macht
                        im frühneuzeitlichen ‘globalen’ Heiligkeitsdiskurs
10.30
               Pause
11.00
               Prof. Dr. Victoria von Flemming, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
                        Postkolonial gewendet – Rembrandts Bilder des Orientalen
12.30
               Mittagessen

14.00
               Prof. Dr. Bettina Uppenkamp, Hochschule für Bildende Künste Hamburg
                        Überlegungen zum Umgang mit den Spuren des Kolonialismus
                        in der europäischen Kunst am Beispiel des ehemaligen Sklaven Johannes Eliza Capitein
15.30
               Prof. Dr. Norbert Schmitz, Muthesius Kunsthochschule Kiel
                        Global Art: Freiheit und Machtpraxe

19.30
               Abendessen

Mittwoch, 20. Mai 2020

9.00                 Dr. Buket Altinoba, Universität Regensburg
                        Picturing the ‚Savage’. Die Büsten des Dr. Dumoutier
                        (und die Firma der Gebrüder Bisson Paris)

10.30
               Dr. Silke Förschler, Universität Kassel
                        Zwei Vorschläge zur Korrektur des weißen Blicks
                        in Ingres’ Gemälde Odaliske mit Sklavin (1839):
                        Kultureller Bildtransfer und historische Kontextualisierung


12.00
               Plenum und Perspektivdiskussion

12.30
               Mittagessen

Leitung                      Prof. Dr. Kristin Marek, Hochschule für Bildende Künste Dresden
                                    Prof. Dr. Ulrich Heinen, Bergische Universität Wuppertal

Seminarbeginn         18. Mai 2018 um 14.30 Uhr mit Kaffee

Teilnehmergebühr   105,00 € mit Übernachtung im Doppelzimmer, EZ-Zuschlag 30,00 €, 55,00 € ohne Übernachtung, Fahrtkosten werden nicht erstattet. Der Teilnahmebeitrag wird gesplittet: 2/3 werden dem Seminar zugeordnet, 1/3 dient der institutionellen Kostendeckung.

Das Seminar ist im Gesamtangebot des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz (PL) enthalten, als Maßnahme der Lehrerfortbildung beim Amt für Lehrerbildung (AfL) im Landesschulamt Hessen akkreditiert, wird in der Fortbildungssuchmaschine des Ministeriums für Schule und Weiterbildung in NRW angeboten und die Teilnahme kann in NRW aus den Fortbildungsbudgets der Schulen finanziert werden.

Anmeldung und weitere Informationen finden sich hier.

Das Seminar ist allgemein zugänglich.
 

Ralf Claus
Oberbürgermeister und Vorsitzender des Stiftungsrates des Weiterbildungs-zentrums Ingelheim

Dr. Florian Pfeil
Direktor des Weiterbildungszentrums Ingelheim

Joachim Kießling
Landesvorsitzender des BDK e.V. Fachverband für Kunstpädagogik

Prof. Dr. Ulrich Heinen
Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Kunstgeschichte in der Kunstpädagogik
im BDK e.V. Fachverband für Kunstpädagogik

 

Die Augen sind hungrig, aber oft schon vor dem Sehen satt.

Otl Aicher